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Interview crépuscule audioNina Urtlichs
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Interview – Twilight

1) Ihre Installation „Twilight“ evoziert sowohl den Herbst als auch das Ende der Welt. Welche Gefühle möchten Sie dem Betrachter durch diese doppelte Interpretation vermitteln?

Nina: Mir gefällt, dass „Twilight“ so vieldeutig ist. Der Herbst ist eine Jahreszeit des Übergangs, des langsamen Vergehens, aber auch des sanften Lichts. Ich habe mit fließenden Stoffen, collagiertem Papier und goldenen Blättern gearbeitet – fast wie mit kostbaren Überresten einer verschwindenden Welt. Es ist zugleich zart und brutal.
Das Ende der Welt, das ich hier andeuten möchte, ist nicht zwangsläufig apokalyptisch; es könnte einfach das Ende eines Zyklus sein, die Erschöpfung eines Systems. Ich möchte, dass der Zuschauer diese Ungewissheit, diese subtile, aber unausweichliche Veränderung spürt.

2) Ein Material ist in Ihren Werken sehr präsent: Stoff, Papier, antike Objekte. Warum diese Wahl?


Nina: Diese Materialien tragen bereits eine Erinnerung in sich. Stoff, insbesondere, hat etwas Körperliches, etwas Vertrautes an sich. Er berührt den Körper, er speichert Falten, Gerüche, Spuren.
Ich verwende viele Materialien aus meinem Archiv: alte Taschentücher aus meiner Familie, vergilbtes Papier… Ich arbeite mit den Spuren der Zeit, mit dem Schweigen dieser vergessenen Gegenstände. Sie erzählen Geschichten, die nicht mehr ausgesprochen werden.

3) „Tears“ ist ein sehr persönliches Werk. Können Sie etwas über seine Entstehung erzählen?


Nina: Diese Installation entstand aus dem Wunsch, eine ewige Geschichte zu erzählen, die von Mutter zu Tochter weitergegeben wird: ein unterdrückter Schmerz, eine Sanftheit der Weiblichkeit, aber auch eine Stärke des Frauseins.
Ich verwendete meine modernen transparenten Stoffe, aber auch alte Taschentücher von meiner Großmutter, meinen Tanten usw. Ich zeichnete einen Frauenkörper darauf, fast transparent, mit roter Tinte tief im Inneren, wie Blut oder ein verbindender Faden.
Die drei Elfenbeinperlen symbolisieren sowohl die gefrorene Träne als auch die Eleganz einer vergangenen Ära. Sie sind eine Hommage an den Kummer, der verborgen und in einer Schublade verstaut ist.

4) Sie arbeiten viel mit weiblichen Symbolen, oft dezent, manchmal kryptisch. Ist das ein feministischer Ansatz?


Nina: Es ist vor allem ein sensibler Ansatz. Meine Arbeit ist durchdrungen von Frauengeschichten, von dem, was in Stille und Gesten vermittelt wird.
Für mich bedeutet Feminismus, den als unbedeutend geltenden Geschichten eine Stimme zu geben: den Geschichten von Körpern, die sich beugen, aber nicht brechen. Meine Kunst stellt keine direkten Forderungen; sie flüstert, sie hinterfragt, sie enthüllt.

5) Und wie soll sich jemand fühlen, der nichts über Ihre Arbeit weiß?


Lass ihr Zeit. Lass sie zuerst ihren Körper spüren, bevor sie versucht, ihn zu verstehen.
Wenn sich darin etwas bewegt – eine Erinnerung, eine Empfindung, ein Gefühl –, dann hat das Werk seinen Weg gefunden.

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